Antarktis, Südgeorgien, Südshetlandinseln, Südorkneyinseln

30. Januar 2007

Ruhiger Seetag auf dem Weg in die Antarktis

Den langen Weg bis zur antarktischen Halbinsel verbrachten wir geruhsam mit Vogelbeobachtungen an Deck, Essen, Lesen und Fotos sichten.

31. Januar 2007

Antarktis: Cuverville Island, Errera Channel, Paradise Bay & Port Lockroy

Heute erreichten wir endlich die antarktische Halbinsel bei Cuverville Island. Doch was für eine herbe Enttäuschung: das Wetter war so miserabel, wie es nur sein kann mit fast auf den Boden hängenden Wolken und Nieselregen. Schlimmer ging es nicht und bei mir flossen ein paar Tränen der Enttäuschung. Wir verzichteten auf die Anlandung und die anschliessende Zodiac-Tour am Gletscher entlang, denn es wäre nur extrem nass und kalt gewesen, was uns Mitreisende später auch bestätigten. Bei freundlicherem Wetter wäre Cuverville Island ein Highlight gewesen!

Nachdem die Tränen getrocknet waren und nach dem Frühstück machten wir bei zumindest trockenem Wetter eine Zodiac Tour durch den Errera Channel. Wir umkurvten schöne, gigantische Eisberge mit bizarren Eisformationen und sahen Seeleoparden, die fröhlich im Wasser spielten und um unsere Zodiacs herumtollten. Zur Krönung stattete uns auch noch eine Familie der Zwergwale einen Besuch ab und tauchten einige Male pustend in einiger Entfernung vom Schiff auf.

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Errera Channel
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Am Nachmittag errichten wir dann Paradise Bay, einem weiteren landschaftlichen Highlight, doch leider hatte sich das Wetter nicht wesentlich verbessert und es fiel immer noch leichter Regen. Wir machten als erstes eine Zodiac-Tour mit Shayne, die uns zu in den Felsen brütenden Blauaugen-Kormoranen führte. Deren Junge waren schon neugierige Teenager, die in der Mauser waren. Weiter ging die Fahrt in den hinteren Teil der Bucht, wo gewaltige Gletscher ins Meer kalbten. Die Eiswände waren zwischen 20 und 25 Meter hoch! Shayne stellte den Motor ab und wir konnten der Stille lauschen, nur unterbrochen vom Knacken und Knirschen der Gletscher oder von herabstürzenden Eis, das mit Donnergrollen im Meer landete. Einige Krabbenfresserrobben lagen faul auf Eisschollen und liessen sich nicht von uns stören. Nach einer Stunde stillen Geniessens ging es bei der argentinischen Station Almirante Brown an Land – ein ziemlich trostloser Ort, aber letztendlich der einzige Ort, an dem wir den antarktischen Kontinent betraten! Zum Glück gab es eine Eselspinguin-Kolonie mit vielen Jungtieren und so wurde die Zeit nicht lang. Die Gletscher in der Umgebung waren atemberaubend, aber tja ... das Wetter

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Paradise BayEselspinguin (Pygoscelis papua)QualleParadise BaySeeleopard (Hydrurga leptonyx)

Mehr Fotos von der Paradise Bay gibt es in unserer Paradise Bay Fotogalerie auf unserer Webseite.

Nach dem Abendessen stand der vierte Ausflug des Tages an: Port Lockroy und Jougla Point. Wir fuhren zuerst nach Port Lockroy, wo es eine grosse Kolonie von Eselspinguinen gibt, die hier aufgrund der Nähe zur Station sehr zutraulich sind. Es dauerte auch nicht lang bis ein kleiner, flauschiger Kerl auf mich zukam und an meiner Kleidung pickte. Er war so zutraulich, das er mir fast auf den Schoss hüpfte und sein Mami seinem Treiben ungläubig zuschaute! Der Kleine war so putzig und verspielt und für mich unwiderstehlich, so dass diese Schmusestunde das absolute Highlight der Reise wurde.

Um das nochmal klarzustellen: es wird vor Beginn der Reise ganz klar kommuniziert, dass man nicht auf die Pinguine zugehen und nicht anfassen soll, was ja auch eigentlich selbstverständlich ist und mir auch nie in den Sinn gekommen wäre. Aber dieser kleine Kerl kam zu mir und er kam wieder und wieder (auch wenn ich wegrückte), bis ich am Ende über und über mit Pinguin-Poo übersät war – und roch auch genau so! Doch genau das sind die Erlebnisse, die man nie vergisst! Fotografieren war damit erledigt; ich machte kein einziges Foto und genoss stattdessen die Zeit mit dem kleinen Eselspinguin, während sich Gerd die Stempel für unsere Pässe aus Port Lockroy abholte und einige Briefmarkensets als Souvenir kaufte.

Nach dem Ende meiner Schmusestunde setzten wir über nach Jougla Point, wo es eine grosse Kolonie Eselspinguine gab, die allerdings nicht so zutraulich waren wie die von Point Lockroy. Wir genossen den Abendspaziergang durch die Kolonie und hatten viel Spass, den hungrigen Kleinen bei der Fütterung zuzusehen. Auch hier liessen wir mal die Kamera im Rucksack und genossen einfach nur die Pinguine. Ein schöner Tag – trotz des Wetters – ging zu Ende.

Highlight des Tages: ein Komplettkunstwerk – einfach alles ausser dem Wetter!!

Video

1. Februar 2007

Antarktis: Lemaire Channel, Pleneau Bay & Petermann Island

Auch dieser Morgen brachte keine Wetterbesserung: der Regen war in Schneeregen übergegangen Es war wirklich sehr traurig, denn wir fuhren durch den atemberaubend schönen Lemaire Channel, der teilweise nur wenige 100m breit ist und an dessen Rändern sich die Berge bis zu 1000m auftürmen (was wir aber nicht sehen konnten ...)

Video

Nichtsdestotrotz waren die Gletscher vom Kontinent gewaltig und es war spannend zu sehen, wie unser russischer Kapitän die Eisberge im engen Kanal umfuhr. Begleitet wurden wir von vielen Seeleoparden ('Sea Leopard Soup' wie Jamie sagte) und von zwei Zwergwalen. Am Ende des Kanals liegt die Pleneau Bay, wo zahlreiche grosse und kleine Eisberge treiben – ein wahrer Eisberg-Friedhof! Wir fuhren langsam mit dem Zodiac durch die Eisriesen und bewunderten die in allen Farben schillernden Formen. Wahre Kunstwerke, die Wind, Wellen und Wetter da kreiert haben! Hier waren allerdings ausnahmsweise mal die Seeleoparden (Hydrurga leptonyx) die Stars, die faul auf den Eisschollen und Eisbergen lagen. Sie beäugten uns aufmerksam und ein Seeleopard schien sogar freundlich zu lächeln – aber das machen sie wohl immer, bevor sie angreifen Natürlich ging auch diese Tour viel zu schnell zu Ende und die Orlova nahm Kurs auf Petermann Island, unserem letzten Ziel auf dieser Reise, die viel zu schnell vorbei ging.

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Seeleopard (Hydrurga leptonyx)
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Auf Petermann Island sind wie überall in den geschützten Gebieten nur 60 Personen an Land erlaubt und diesmal war unsere Gruppe mit der Zodiac-Tour dran, bevor wir an Land durften. Vladimir kurvte um die schönen Eisberge und zum Schluss gaben uns noch zwei grosse See-Leoparden auf einer Eisscholle eine Audienz! An Land gibt es wieder eine grosse Kolonie Eselspinguine mit halb ausgewachsenen Küken. Auf den anderen Inseln hatten wir fast neugeborene Küken gesehen und leider hat Akos unsere Befürchtungen bestätigt, dass sie zu spät dran sind und wahrscheinlich nicht überleben werden. So traurig das ist, wenn man die süssen Kleinen sieht, aber das ist Teil des Lebens und im nächsten Jahr wissen es die Eltern besser! Trotzdem tut es mir leid; die Eltern sind eben noch zu unerfahren!

Die Eselspinguine auf Petermann Island waren aber alle putzmunter und wohlgenährt. Wir erklommen eine kleine Anhöhe, von der man einen guten Blick auf die Eisberge hatte, die wir vorher im Zodiac besucht hatten. Danach ging es auf die andere Seite, wo sich eine recht lautstarke Adélie-Pinguin-Kolonie befindet. Zwischen ihnen nisten auch noch einige Blauaugenkormorane, deren halbstarke Küken sehnsüchtig auf die Heimkehr der Eltern warteten. Diese wurden dann heftig bedrängt und es war nicht leicht, die Nahrung zu übergeben. Dazwischen rannten einige verrückte Adélie-Küken flatternd im Kreis, die Älteren riefen lautstark – hier war was los!

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Mehr Fotos von Petermann Island gibt es in unserer Petermann Island Fotogalerie auf unserer Webseite.

Es war schwer zu realisieren, aber der Zeitpunkt des Abschieds von der Antarktis und den liebenswerten Pinguinen rückte näher. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ob des Erlebten bestiegen wir das allerletzte Zodiac zurück auf die Orlova.

Da musste erst einmal ein Glas 'Trost-Wein' her! Oder auch zwei Gläser...

Highlight des Tages: die Pinguine, die mir den Abschied versüssten und gleichzeitig schwer machten

2. 4. Februar 2007

Seetage in der Drake Passage bis Ushuaia

Die Antarktis verschwand bald aus unserem Blickfeld und wir erreichten den offenen Ozean. Zwei Tage verbrachten wir nun in der berüchtigten Drake-Passage, dem wildesten Meer der Welt. Doch wir hatten Glück und die Wellen waren nur bis zu circa acht Meter hoch und wir wurden wieder nicht seekrank. Wir verbrachten einige Zeit auf der Brücke, und beobachteten die Wellenberge und wie sie über den Bug der Orlova brachen. Hier ein kleines Video, das das Schwesterschiff der Orlova in einiger Entfernung in den Wellenbergen zeigt.

Video

Der Seegang hat aber schon ausgereicht, das sich einige Leute verletzten. Ein Mann aus Israel verletzte sich sogar recht schwer mit Nasenbruch und Problemen mit dem Rücken. Wie sich später herausstellte, war er vom Hals ab gelähmt und hat sich unserer Kenntnis nach nicht mehr davon erholt. Das war ein ziemlich tragisches Ende einer wunderbaren Reise.

Nach der Ankunft und Ausschiffung verbrachten wir noch eine Nacht in Ushuaia, bevor es auf die Heimreise ging. Im Hafen lagen Kreuzfahrtschiffe aller Grösse und es herrschte ein für uns ungewohntes hektisches Treiben! Was für ein komisches Gefühl, festen Boden unter den Füssen zu haben! Der Tisch im Asado-Restaurant schien zu schwanken und es dauerte eine Weile, bis sich der Gleichgewichtssinn wieder stabilisiert hatte.

Die Abreise aus Ushuaia bescherte uns dann auch noch ein sehr negatives Erlebnis. Der Taxifahrer, der uns zum Flughafen brachte, überfuhr mit voller Absicht einen recht grossen Hund. Er steuerte noch auf ihn zu, anstatt ihm auszuweichen. Er fand das wohl normal und plauderte munter drauf los, doch ich wollte daraufhin nichts mehr sagen und war sehr traurig (Trinkgeld gab es nicht!). Auch Strassenhunde haben ein Recht zu leben und wer weiss, ob er überhaupt ohne Besitzer war!

So geht diese Reise mit vielen Eindrücken zu Ende. Als Fazit bleibt, dass wir die Pinguine lieben und nächstes Jahr nur auf die Falkland Island zurückkommen wollen (und es 2008 auch verwirklichten).

Highlight der Tage: Die hohen Wellen und das Asado!

Zum Abschluss noch einige Worte zum traurigen Verbleib 'unserer' M/V Orlova. Die folgenden Abschnitte sind von Wikipedia übernommen:

Ende September 2010 wurde die Lyubov Orlova in St. John′s auf Bestreben eines Spediteurs arrestiert, der rund $ 250.000 offene Forderungen gegen den Reeder des Schiffes hatte. Auch die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) schaltete sich ein, da die Besatzung seit mehreren Monaten keine Heuer mehr erhalten hatte. Die 50 russischen und ukrainischen Seeleute wurden später von Bord geholt und in ihre Heimat gebracht. Das vom Russian Maritime Register of Shipping klassifizierte Schiff ist am 5. April 2011 aus dem Register gestrichen worden. Im Februar 2012 ersteigerte ein iranischer Kaufmann das Schiff für 275.000 USD, um es in der Dominikanischen Republik abwracken zu lassen. Im Januar 2013 sollte das Schiff zur Abwrackwerft geschleppt werden. Nach einem Tag riss die Verbindung zum Schlepper bei stürmischem Wetter am 23. Januar 2013 ein erstes Mal und am 31. Januar 2013 ein zweites Mal. Danach trieb die Lyubov Orlova als Geisterschiff durch den Nordatlantik. Als das führungslose Schiff auf Ölplattformen vor der kanadischen Küste zutrieb, schickte die zuständige kanadische Behörde Transport Canada das Versorgungsschiff Atlantic Hawk am 31. Januar 2013 mit dem Ziel los, das Schiff von Offshore-Anlagen fernzuhalten. Als am 4. Februar 2013 das Schiff aus der kanadischen 200-Meilen-Zone hinaus gedriftet war, entschied die Behörde schliesslich, die Lyubov Orlova sich selbst zu überlassen und ihr Kentern in Kauf zu nehmen. Sie befand sich nicht mehr im kanadischen Verantwortungsbereich, sondern in internationalen Gewässern. Am 23. Februar 2013 wurde eine zur Lyubov Orlova oder einem ihrer Rettungsboote gehörende Notfunkbake auf der Position 51° 46' N 035° 41' W aktiviert. Da Notfunkbaken durch Wasserkontakt ausgelöst werden, also beispielsweise wenn das Schiff sinkt, hat die irische Küstenwache (Irish Coast Guard) den Umkreis der angegebenen Position abgesucht und das Schiff nicht entdecken können. Aus diesem Grund wird vermutet, dass die Lyubov Orlova gesunken ist. Anderslautenden Agenturmeldungen zufolge hat ein US-Geheimdienst das führerlose Expeditionsschiff 2.400 Kilometer westlich von Irland treibend ausgemacht. Anfang 2014 soll vor der Küste Schottlands ein Teil eines Rettungsbootes gefunden worden sein.

Wir werden die Orlova immer in bester Erinnerung behalten!

Alle Fotos der Antarktis Expedition gibt es in den Südgeorgien Fotogalerien sowie den Antarktis Fotogalerien auf unserer Webseite.

Wir danken Euch für Euer Interesse und hoffen, Ihr hattet etwas Spass beim Lesen unseres Reiseberichts.

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